"Unsterblicher Madeira"
so H.Warner Allen. Ist es nicht an der Zeit, diesen Wein wieder neu zu entdecken? Denn kein Wein kann so gut altern und doch so jung bleiben. Eine geöffnete Flasche ist für Madeira kein Problem; durch seine besondere Herstellungsmethode behalt er seine einmaligen Aromen über Wochen und Monate. Die Geschmackspalette reicht vom extra trockenen Sercial über den trockenen Verdelho, den milderen Bual zum süßen Malvasia.
Madeira hatte noch in den Ohren unserer Urgroßeltern einen magischen Klang. Der Madeira galt als einer der besten Weine der Welt. In unserem Jahrhundert wandte sich der allgemeine Geschmack von diesen (in Würde) oxidierten Weinen ab, und manche kennen den Madeira nur noch als allerdings unentbehrlichen Kochwein, der aber mit einem Madeira zum Genießen nichts gemeinsam hat.
Madeira ist der Oberbegriff für eine Reihe von Weinen mit ganz unterschiedlicher Charakteristik, von trocken bis vollsüß, von gelb bis dunkelbraun, und das gesamte Spektrum verschiedenster Geschmacksrichtungen nicht zu vergessen.
Die Insel Madeira
Die Insel wurde 1419 zu Beginn der portugiesischen Entdeckerze1t von Joäo Gonc;alves Zarco Vaz Teixeira und Bartolomeu Perestrelo auf einer Seefahrt 1n die neue Welt entdeckt und wegen der dichten Bewaldung auf den Namen Madeira, Holzinsel getauft.
Die ersten Siedler waren Mitglieder des portugiesischen Adels. Durch die enge Beziehung Portugals zu England kamen ebenso sehr früh englische Handelshäuser nach Madeira, um die günstige Lage für die Entdeckungsreisen zu nutzen.
Diese vulkanische Insel im Atlantischen Ozean hat subtropisches Klima auf Meereshöhe und wechselt mit steigender Höhe bis zu ca. 1800 m in eine gemäßigte Klimazone, wo ab und zu auch mal Schnee fällt.
Durch Brandrodungen wurden Siedlungsplätze und freie Flächen für die Landwirtschaft geschaffen. Die ersten Bewässungsgräben (Levadas) auf der Südseite der Insel wurden meist durch Sklaven aus den neuen Kolonien angelegt. Zuckerrohr wurde sehr bald zum Exportschlager für das portug. Festland und die Länder Europas.
Geschichte
Man geht davon aus, dass die ersten Siedler aus dem Norden Portugals Reben vom Festland mitbrachten. Aus historischen Aufzeichnungen des Venezianers Luis de Cadamosto von 1450 geht hervor, dass die Rebsorte Malvasia Candida in den ersten Jahren der Kolonisierung durch Heinrich den Seefahrer angeordnet und eingeführt wurde. Die Malvasia Reben kamen von Iraklio, der Hauptstadt Kretas, wobei der venezianische Name dafür Candida ist.
Im 15. Jahrhundert erlangte der Weinbau eine immer größere Bedeutung, wobei die Entdeckung Amerikas durch Christopher Kolumbus den entscheidenden Impuls für den Madeira Wein ergab.
Aus dieser Zelt wird die Episode erzählt, dass 1478 George, Herzog von Clarence, Bruder von König Edward IV von England, der vom Oberhaus zu Tode verurteilt worden war, sich als Todesart auswählt, in einem Fass Malvasia ertränkt zu werden.
Deshalb gibt es heute noch einen Madeirawein „Duke of Clarence" des engl. Hauses Blandy.
Im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts kamen immer mehr Engländer auf die Insel und ersetzten den zurückgehenden Zuckerrohranbau durch Erzeugung und Export von Madeirawein in die engl. Kolonien Amerikas, Afrikas und Asiens und Indiens.
Gleich zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde der Methuenvertrag (1703) zwischen England und Portugal geschlossen, sodass portug. Weine im Vergleich zu anderen Ländern Europas ein Drittel weniger Einfuhrzoll bezahlen mussten. Als Gegenleistung wurde für englische Textilien in Portugal kein Einfuhrzoll erhoben.
Durch die engl. Exporteure auf Madeira wurde gerade in Nordamerika und Indien Madeirawein zu einem der beliebtesten Getränke. Die Verbindung zu Nordamerika war ohnehin eine ganz besondere, so dass zu den Feierlichkeiten der Erklärung der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika am 4. Juli 1776 der erste Präsident George Washington mit einem Glas Madeirawein anstieß.
Im 18. Jahrhundert wurde durch die Einführung von 2 neuen Techniken, der Anreicherung mit Alkohol und der Wärmebehandlung ( Estufagem) der Madeirawein in Übersee noch beliebter, weil er dadurch haltbarer wurde.
Zu Anfang wurde allerdings der Alkohol nach der Gärung, meist vor dem Verschiffen dem Wein zugegeben, die verfeinerte Methode, während der Gärung Alkohol zuzugeben, kam erst später.
Im 19. Jahrhundert erleben die Weinexporte von Madeira ein Wechselbad der Geschichte Amerikas und Europas: Die instabile Lage Nordamerikas während des Bürgerkrieges, die Vorliebe der russischen Aristokratie für diesen wärmenden Wein und die Vorliebe des englischen Adels auf dem Festland und in den Kolonien.
Von den verheerenden Auswirkungen der Reblaus und des Mehltaus blieb auch Madeira nicht verschont. Es wurden amerikanische Reben angepflanzt und die Rebsorte Negra Mol wurde zur beherrschenden Rebsorte, wobei die noblen Weine immer noch aus Boal, Verdelho und vor allem Malvasia Candida waren.
Im 20. und 21. Jahrhundert bringen die beiden Weltkriege erhebliche Schwankungen mit sich, aber dank der neu hinzu gekommenen skandinavischen Märkte bleibt der Export stabil.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde immer mehr Madeirawein nach Ostindien exportiert. Der Transport der Weinfässer erfolgte im Bug der Schiffe, wobei während der Überquerung der Tropen sehr hohe Temperaturen herrschten. Es kam dabei immer wieder vor, dass die nicht verkauften Fässer nach Europa zurück kehrten. Dabei stellte man fest, dass die Qualität des Weines sich sehr vorteilhaft entwickelt hatte. Seit dieser Erkenntnis wurden immer wieder Fässer auf die Hin- und Rückreise nach Ostindien geschickt, um die Qualität zu erhöhen ( Vinho da Roda ). Durch die Wärmeeinwirkung im Schiffsbug motiviert, investierten die Erzeuger auf Madeira in die Wärmebehandlung/Lagerung der Weinfässer ( Estufagem ).
Die Wärmebehandlung des Madeiraweines hat sich in verschiedenen Methoden der Erhitzung bis heute als ein besonderes Qualitäts- und Haltbarkeitsmerkmal erhalten.
